
Was eine Punze ist und warum sie zählt
Eine Punze ist eine kleine Prägung im Metall, meist zwei bis drei Millimeter groß, die der Hersteller oder eine Prüfstelle einschlägt. Sie nennt den Feingehalt, also wie viel reines Gold, Silber oder Platin in der Legierung steckt, in Tausendteilen. 585 heißt: 585 von 1.000 Teilen sind Gold, der Rest sind Beimetalle.
Für den Verkauf ist die Punze der wichtigste Anhaltspunkt, weil sie den Preis je Gramm bestimmt. Ein 750er Ring bringt je Gramm rund 28 Prozent mehr als ein 585er Ring gleichen Gewichts. Deshalb lohnt es sich, den Stempel vor dem Verkauf zu suchen, und zu wissen, welche Stempel keinen Feingehalt, sondern nur eine Beschichtung bezeichnen.
In Deutschland ist die Punzierung freiwillig, aber wer punziert, haftet für die Richtigkeit. Viele ältere Stücke, Auslandsschmuck und Handarbeiten tragen deshalb keinen oder einen fremden Stempel. Das macht sie nicht unecht, die Prüfung entscheidet.
Wo Sie die Punze finden
Bei Ringen sitzt sie an der Innenseite der Schiene. Bei Ketten und Armbändern am Verschluss, an der Öse des Verschlusses oder auf einem kleinen Plättchen am Ende. Bei Ohrringen am Stift oder am Bügel, bei Anhängern an der Öse, bei Broschen auf der Rückseite nahe der Nadel.
Besteck trägt die Punze auf der Rückseite des Stiels, Tafelsilber am Boden oder am Rand. Bei Uhren steht sie im Gehäuseboden oder an der Innenseite des Deckels; bei Münzen und Barren ist der Feingehalt Teil der Prägung.
Nehmen Sie eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung und drehen Sie das Stück im Licht, bis die Prägung Schatten wirft. Abgeriebene Stempel an Ringinnenseiten sind häufig; dann hilft nur noch die Prüfung.
- Ring Innenseite der Schiene
- Kette, Armband Verschluss, Öse, Endplättchen
- Ohrring Stift oder Bügel
- Anhänger, Brosche Öse oder Rückseite
- Besteck Rückseite des Stiels
- Tafelsilber Boden oder Rand
- Uhr Gehäuseboden oder Deckelinnenseite
Goldpunzen im Überblick
Deutsche Goldpunzen sind Tausendteil-Zahlen. Die Karat-Angabe, die im englischsprachigen Raum üblich ist, lässt sich direkt umrechnen: 24 Karat ist reines Gold, 14 Karat entspricht 585. Die Tabelle zeigt die gängigen Werte, ihre Karatangabe und wo sie typischerweise vorkommen. Ausführlich erklärt das der Ratgeber Karat und Feingehalt.
| Punze | Karat | Goldanteil | Typisch für |
|---|---|---|---|
| 333 | 8 kt | 33,3 % | Ketten, Kinderschmuck, ältere Serien |
| 375 | 9 kt | 37,5 % | Britischer und skandinavischer Schmuck |
| 585 | 14 kt | 58,5 % | Ringe, Armbänder, Ohrringe, Standard in Deutschland |
| 750 | 18 kt | 75,0 % | Hochwertiger Schmuck, Trauringe, Uhrengehäuse |
| 900 | 21,6 kt | 90,0 % | Münzgold: Vreneli, 20 Mark |
| 916 | 22 kt | 91,7 % | Krügerrand, Sovereign |
| 999 | 24 kt | 99,9 % | Barren, Maple Leaf, Feingoldschmuck |
Silberpunzen im Überblick
Bei Silber sind 800, 835 und 925 die häufigsten Werte. Deutsches Silber trägt seit 1888 zusätzlich das Zeichen Halbmond und Krone. „Sterling“ oder „S925“ bedeutet 925er Silber. Vorsicht bei zweistelligen Zahlen auf Besteck: 90, 100 oder 150 sind Auflagezahlen für versilbertes Besteck, keine Feingehalte. Mehr dazu unter versilbertes Besteck.
| Stempel | Bedeutung | Ankauf |
|---|---|---|
| 800, 835, 900, 925, 999 | Massivsilber, Anteil in Tausendteilen | Nach Silbergewicht |
| Halbmond und Krone | Deutsches Feingehaltszeichen ab 1888 | Nach Silbergewicht |
| Sterling, S925, 925 S | Sterlingsilber 92,5 % | Nach Silbergewicht |
| 12 Lot, 13 Lot | Alte Angabe: 12 Lot = 750, 13 Lot = 812 | Nach Silbergewicht |
| 90, 100, 150 | Silberauflage in Gramm je 24 Teile (versilbert) | Nur nach Kilogewicht |
| EPNS, Silverplate, Alpaka, Neusilber | Versilbert oder silberfrei | Kein Ankauf |

Platin- und Palladiumpunzen
Platin trägt Pt950, 950, PLAT oder das Wort Platin; ältere und japanische Stücke Pt900 oder Pt850. Palladium trägt Pd950 oder Pd500. Weißgold dagegen trägt die Goldpunzen 585 oder 750, die Verwechslung mit Platin ist häufig, weil beide hell sind. Platin ist deutlich schwerer; im Zweifel klärt die Dichtemessung. Einzelheiten auf den Seiten Platin verkaufen und Weißgold und Roségold.
Stempel im Vergleich
12 Stempel nach Metall geordnet: der Stempel, wie er eingeschlagen ist, und was er bedeutet.
| Stempel | Bezeichnung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Gold | ||
| 333er Goldstempel | 333 ist der niedrigste in Deutschland übliche Goldfeingehalt und entspricht 8 Karat. Der Stempel sitzt meist auf der Innenseite von Ringen oder am Verschluss von Ketten. | |
| 585er Goldstempel | 585 Tausendteile Gold entsprechen 14 Karat und sind der häufigste Feingehalt bei Trauringen und Schmuck in Deutschland. Neben der Zahl steht oft ein kleines Herstellerzeichen. | |
| 750er Goldstempel | 750 entspricht 18 Karat und ist bei hochwertigem Schmuck und in Südeuropa Standard. Bei Ketten sitzt die Punze meist auf der Zunge des Verschlusses. | |
| 999,9 Feingold | Barren tragen den Feingehalt als Prägung, meist 999,9, dazu ein Prüfzeichen des Herstellers. Der Feingehalt eines Barrens wird im Ankauf trotzdem gemessen, nicht nur abgelesen. | |
| 900er Münzgold | Klassische Goldmünzen wie Krügerrand-Vorläufer oder europäische Umlaufmünzen wurden aus 900er Gold geprägt, also 21,6 Karat. Die Angabe findet sich selten auf der Münze selbst; sie ergibt sich aus dem Münztyp. | |
| Silber | ||
| 800er Halbmond und Krone | Seit 1888 ist Halbmond und Krone das deutsche Reichszeichen für Silber. Es steht neben der Feingehaltszahl und bestätigt, dass mindestens 800 Tausendteile Silber enthalten sind. Besteck aus Deutschland trägt diese Kombination bis heute. | |
| 835er Silberstempel | 835 ist ein in Deutschland verbreiteter Feingehalt für Besteck und Tafelsilber aus dem 20. Jahrhundert. Er liegt zwischen 800 und Sterling und ist meist mit Halbmond, Krone und einem Herstellerzeichen kombiniert. | |
| 925er Sterling Stempel | 925 Tausendteile Silber gelten international als Sterlingsilber. Der Zusatz STERLING stammt aus dem englischen Sprachraum; bei deutschem Silber steht daneben oft ein Herstellerzeichen im Rechteck. | |
| 12 Lot (altes Silber) | Vor 1888 wurde der Feingehalt in Lot angegeben: 16 Lot entsprachen reinem Silber, 12 Lot also 750 Tausendteilen. Solche Stempel finden sich auf Erbstücken aus dem 19. Jahrhundert, oft zusammen mit einem Stadt- oder Meisterzeichen. | |
| 90 (versilbert) | Die 90 in einem Quadrat ist keine Feingehaltsangabe, sondern die Auflagestärke: 90 Gramm Silber auf zwölf Besteckteile. Versilbertes Besteck besteht im Kern aus unedlem Metall; ich kaufe es nicht nach Feingehalt, sondern zu einem festen Kilopreis an. | |
| Platin | ||
| PT 950 | Platin wird meist mit 950 Tausendteilen verarbeitet, gekennzeichnet als PT 950 oder PLAT 950. Der Stempel sitzt wie bei Gold auf der Ringinnenseite. | |
| 585 WG (Weißgold) | Weißgold trägt dieselben Feingehaltszahlen wie Gelbgold, oft ergänzt um WG. Die helle Farbe entsteht durch Legierungsmetalle wie Palladium und eine Rhodiumschicht; der Goldanteil bleibt 585. | |
Stempel, die keinen Feingehalt bedeuten
Viele Stempel sehen nach Gold aus und sind es nicht. Doublé, Double, Plaqué, GP (gold plated), GF (gold filled), Vermeil (vergoldetes Silber), HGE (heavy gold electroplate), 10 oder 20 Mikron: alle bezeichnen eine Goldschicht auf unedlem Kern oder auf Silber. Der Materialwert ist gering oder null. Ebenso „925“ mit Zusatz „vergoldet“: Das ist Silber mit Goldauflage, bewertet als Silber.
Auch Herstellermarken, Modellnummern und Designerzeichen sind keine Feingehalte. Ein Stempel wie „18K“ auf Modeschmuck aus Fernost ist zudem nicht immer verlässlich, die Prüfung entscheidet.
| Stempel | Bedeutung | Materialwert |
|---|---|---|
| Doublé, Double, Plaqué | Goldschicht auf Messing oder Tombak | Keiner |
| GP, GF, HGE | Vergoldet, gold filled, dick vergoldet | Keiner bis gering |
| Vermeil, 925 vergoldet | Vergoldetes Silber | Als Silber |
| 10 / 20 Mikron | Vergoldung in Mikrometern | Keiner |
| Herstellermarke, Modellnummer | Keine Feingehaltsangabe | Prüfung nötig |

Historische und ausländische Punzen
Vor 1888 gab es in Deutschland keine einheitlichen Zahlen; Stücke tragen Stadtmarken, Meisterzeichen oder Lotzahlen. Österreich stempelte Tierköpfe, Russland Zahlen wie 56 (583er Gold) oder 84 (875er Silber), Frankreich den Adlerkopf für Gold und den Minerva-Kopf für Silber, England den Löwen mit Jahresbuchstaben und Stadtmarke, Italien einen Stern mit Herstellernummer und Provinzkürzel.
Schweizer Uhren zeigen den Helvetia-Kopf (750) oder das Eichhörnchen (585).
Wer antiken Schmuck verkauft, sollte diese Zeichen nicht polieren oder überarbeiten lassen, sie belegen Herkunft und Alter und können den Sammlerwert erhöhen. Mehr dazu unter Antikschmuck verkaufen.
Schritt für Schritt: Punze lesen und einordnen
So gehen Sie zu Hause vor, bevor Sie zu uns kommen. Die Reihenfolge ist wichtig, weil der zweite Schritt viele Irrtümer ausschließt.
- Stück reinigen Fett und Staub mit einem weichen Tuch abwischen, keine Poliermittel.
- Punze suchen Ringinnenseite, Verschluss, Öse, Stielrückseite, mit Lupe und Streiflicht.
- Zahl lesen dreistellig (333–999) bedeutet Feingehalt; zweistellig auf Besteck (90, 100) bedeutet versilbert.
- Zusatzstempel prüfen Doublé, GP, GF, Vermeil oder Mikron weisen auf Beschichtung hin.
- Gewicht abschätzen Massivgold und Platin sind schwer, Hohlware und Doublé leicht.
- Magnet Echtes Gold, Silber und Platin sind nicht magnetisch; ein Stahlkern verrät sich.
- Bei Unsicherheit unverändert mitbringen, Säure, Dichte und Sensor klären es in Minuten.
Was tun, wenn der Stempel fehlt
Kein Stempel heißt nicht unecht. Handarbeiten, Reparaturen, Auslandsschmuck und ältere Stücke sind oft ungestempelt. Wir bestimmen den Feingehalt dann in drei Schritten: Säuretest auf dem Prüfstein (Strich, Tropfen, Reaktion), Dichtemessung durch Wiegen in Luft und Wasser und, bei Barren und Münzen, der Goldscreen-Sensor, der die Leitfähigkeit misst. Keine Methode beschädigt das Stück sichtbar.
Der Ablauf im Detail steht unter So funktioniert's.
Für den Richtwert vorab können Sie mit 585 rechnen, der in Deutschland häufigsten Schmucklegierung, und das Ergebnis im Ankaufsrechner ansehen. Die Preise je Legierung stehen unter Ankaufspreise.


Punzen an Münzen und Barren lesen
Bei Anlagegold ist der Feingehalt Teil der Prägung: Barren zeigen Hersteller, Gewicht, Feinheit (999,9) und meist eine Seriennummer, oft ergänzt um ein Prüfzeichen wie den Essayeur-Stempel. Moderne Anlagemünzen nennen Feingehalt und Feingewicht auf der Münze selbst („1 oz fine gold 999,9“). Historische Münzen tragen keine Feinheitsangabe, ihr Gehalt ist durch die Prägeordnung festgelegt: Vreneli und 20 Mark 900, Sovereign 916,7, Dukaten 986.
Für den Ankauf gleichen wir Gewicht, Maße und Prägebild mit den Sollwerten ab und prüfen mit dem Sensor. Eine korrekte Prägung ist kein Echtheitsbeweis, gerade Barren und gängige Münzen werden nachgeahmt. Tabellen zu Feingewichten stehen unter Goldmünzen verkaufen und Goldbarren verkaufen.
| Objekt | Angabe auf dem Stück | Feingehalt |
|---|---|---|
| Anlagebarren | 999,9, Gewicht, Hersteller, Seriennummer | 999,9 |
| Maple Leaf, Philharmoniker | „999,9“ oder „fine gold“ | 999,9 |
| Krügerrand, Sovereign | Keine Feinheitsangabe | 916,7 (Prägeordnung) |
| Vreneli, 20 Mark | Keine Feinheitsangabe | 900 (Prägeordnung) |
| Dukaten Österreich | Keine Feinheitsangabe | 986 (Prägeordnung) |

Drei Fälle aus dem Laden
Punzen fotografieren für die Vorabschätzung
Wer vor dem Besuch eine Einschätzung per WhatsApp möchte, sollte die Punze scharf fotografieren. Legen Sie das Stück auf einen hellen, matten Untergrund, nutzen Sie Tageslicht von der Seite und die Makro- oder Lupenfunktion des Smartphones. Ein zweites Foto zeigt das ganze Stück mit einer Münze als Größenvergleich, ein drittes das Gewicht auf der Küchenwaage, falls vorhanden. Damit können wir Legierung und Richtwert grob einordnen, der Endpreis entsteht nach der Prüfung. Den Kontaktweg finden Sie unter Kontakt und Anfahrt.
- Heller, matter Untergrund, Tageslicht von der Seite
- Makro- oder Lupenfunktion, Stempel bildfüllend
- Gesamtansicht mit Münze als Größenvergleich
- Gewicht auf der Küchenwaage, falls vorhanden
- Keine Bearbeitung, keine Filter

Häufige Fehldeutungen
„585“ auf einem Ring bedeutet nicht 58,5 Gramm, sondern 58,5 Prozent Gold. „925“ ist kein Goldstempel, sondern Silber. „18K“ und „750“ meinen dasselbe. „Gold 333“ ist echtes Gold, auch wenn der Anteil niedrig ist. „Silber 90“ ist kein Silber. Und ein fehlender Stempel senkt nicht den Wert, er verlangt nur eine Prüfung.
Wer diese sechs Punkte kennt, kann die meisten Stücke selbst richtig einordnen. Was das Gold insgesamt wert ist, zeigt die Übersicht Gold verkaufen.



