
Wo Gold gehandelt wird
Der größte Teil des Großhandels mit physischem Gold läuft in London, und zwar außerbörslich: Banken und Händler schließen Geschäfte direkt miteinander ab, meist über große Barren von rund 400 Unzen, die in Tresoren liegen und oft nur den Besitzer wechseln. Daneben gibt es Terminbörsen, an denen Verträge über künftige Lieferungen gehandelt werden, am bekanntesten die Comex in New York. In Asien ist die Shanghai Gold Exchange ein wichtiger Handelsplatz.
Weil diese Märkte in verschiedenen Zeitzonen liegen, wird Gold an Werktagen fast rund um die Uhr gehandelt. Jeder Abschluss liefert einen neuen Preis, und so bewegt sich der Kurs von Minute zu Minute. Am Wochenende ruhen die großen Handelsplätze; der Kurs vom Freitagabend bleibt dann weitgehend stehen, bis am Montag in Asien wieder gehandelt wird.
Wer kauft und wer verkauft
Auf beiden Seiten des Marktes stehen sehr unterschiedliche Teilnehmer. Ihr Zusammenspiel bestimmt, wohin sich der Preis bewegt. Keiner von ihnen kann den Preis allein festlegen, aber große Käufe oder Verkäufe können ihn spürbar bewegen.
| Teilnehmer | Typisch auf der Seite | Beispiel |
|---|---|---|
| Minen | Angebot | Verkauf der laufenden Förderung |
| Recycling | Angebot | Altgold, das eingeschmolzen wird |
| Schmuckindustrie | Nachfrage | Einkauf von Feingold für die Produktion |
| Anleger | beide Seiten | Kauf und Verkauf von Barren, Münzen, Fonds |
| Zentralbanken | beide Seiten | Aufbau oder Abbau von Reserven |
| Industrie | Nachfrage | Elektronik, Zahntechnik |
Was der Spotpreis bedeutet
Spot heißt sofort: Der Spotpreis ist der Preis für Gold, das ohne Aufschub geliefert wird, im Unterschied zum Terminpreis für eine spätere Lieferung. Er wird in US-Dollar je Feinunze angegeben. Eine Feinunze sind 31,1035 Gramm reines Gold. Wenn Nachrichten vom Goldpreis sprechen, meinen sie fast immer diesen Wert.
Zweimal am Werktag wird in London zusätzlich ein Referenzpreis in einer Auktion ermittelt, der LBMA Gold Price. Er dient vielen Verträgen als Bezugsgröße, ist aber nur eine Momentaufnahme; zwischen den Auktionen läuft der Handel weiter.
Vom Dollarkurs zum Preis in Euro je Gramm
Für Verkäufer in Deutschland braucht es zwei Umrechnungen: vom Dollar in Euro über den Wechselkurs und von der Unze ins Gramm durch Teilen durch 31,1035. Erst dann entsteht ein Grammpreis für Feingold, auf den sich Legierungen wie 585 oder 750 beziehen. Wir rechnen mit dem Euro-Referenzkurs der EZB; die Website ruft den Goldkurs alle paar Minuten neu ab.
Die Tabelle zeigt die Kette bis zu unserem Ankaufspreis. Die letzte Zeile ist der heutige Stand für Feingold.
| Schritt | Einheit | Woher |
|---|---|---|
| Spotpreis | US-Dollar je Feinunze | weltweiter Handel |
| Umrechnung | Euro je Feinunze | Wechselkurs |
| Feingoldpreis | Euro je Gramm | geteilt durch 31,1035 |
| Legierung | Euro je Gramm | mal Feingehalt |
| Unser Ankaufspreis 999 | Euro je Gramm | 116,26 €/g |
Typische Irrtümer
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass eine Behörde oder ein Kartell den Goldpreis festlege. Die Londoner Auktion hält ihn nur fest; gebildet wird er im laufenden Handel vieler Teilnehmer. Ein zweiter Irrtum: Der Goldpreis spiegle nur die Nachfrage nach Schmuck. Tatsächlich wirken Zinsen, der Dollar, Käufe von Zentralbanken und die Stimmung von Anlegern oft stärker als die Schmucknachfrage.
Ein dritter Irrtum: Wer die Einflussfaktoren kenne, könne den Kurs vorhersagen. Die Kräfte wirken gleichzeitig und aufeinander, und Erwartungen sind oft schon eingepreist. Welche Kräfte den Kurs bewegen, beschreibt unser Ratgeber Wann Gold verkaufen?; Vorhersagen geben wir keine. Den aktuellen Stand zeigt die Seite Goldpreis heute.