
Wie der Goldpreis entsteht: Dollar, Unze, Euro
Gold wird rund um die Uhr an Börsen und zwischen Banken gehandelt, vor allem in London, New York und Asien. Der Kurs, der daraus entsteht, heißt Spotpreis und wird in US-Dollar je Feinunze notiert. Eine Feinunze sind 31,1035 Gramm. Für einen Verkäufer in Deutschland ist das nur der Anfang der Rechnung: Der Dollarkurs muss in Euro umgerechnet und die Unze in Gramm geteilt werden, bevor ein Grammpreis entsteht.
Unser Ankaufspreis je Gramm folgt dann in zwei weiteren Schritten: Der Feingoldkurs wird mit dem Feingehalt der Legierung multipliziert und davon ein fester Ankaufsanteil ausgezahlt. Die Tabelle zeigt die Kette vom Börsenkurs bis zum Betrag auf Ihrer Abrechnung. Die aktuellen Werte mit Uhrzeit stehen auf der Seite Ankaufspreise, der Feingoldkurs je Gramm und je Unze auf Goldpreis heute.
Weil der Kurs in Dollar entsteht, Sie aber Euro bekommen, wirken zwei Bewegungen auf Ihren Erlös: der Goldkurs und der Wechselkurs. Steigt der Dollar gegenüber dem Euro, steigt der Goldpreis in Euro auch dann, wenn er in Dollar unverändert bleibt. Fällt der Dollar, kann der Euro-Preis sinken, obwohl die Schlagzeilen von einem steigenden Goldpreis berichten.
Für Sie heißt das: Maßgeblich ist der Preis in Euro je Gramm, nicht die Dollarnotierung aus den Nachrichten. Genau diesen Wert zeigen wir in der Preisbox, umgerechnet mit dem Euro-Referenzkurs. Wer den Verlauf beobachten will, schaut auf den Euro-Kurs je Gramm über Wochen, ein einzelner Tag sagt wenig.
| Schritt | Rechnung | Wer bestimmt die Größe |
|---|---|---|
| Spotpreis | US-Dollar je Feinunze | Börse |
| Euro-Umrechnung | geteilt durch den Dollar-Euro-Kurs | Devisenmarkt |
| Grammpreis | geteilt durch 31,1035 | Rechenregel |
| Legierung | mal Feingehalt, etwa 0,585 | Ihr Stück |
| Ankaufspreis | mal Ankaufsanteil | Händler |
Warum niemand den Kurs vorhersagen kann
Auf den Goldpreis wirken viele Kräfte gleichzeitig: Zinsen und Zinserwartungen, Inflation, der Dollar, Käufe und Verkäufe von Zentralbanken, Schmucknachfrage, industrielle Nachfrage, Förderung und Recycling, und immer wieder politische und wirtschaftliche Krisen. Keine dieser Größen lässt sich zuverlässig vorhersagen, und sie wirken obendrein aufeinander. Prognosen von Banken und Analysten gehen regelmäßig auseinander und werden regelmäßig revidiert.
Deshalb geben wir keine Prognose ab, weder nach oben noch nach unten. Wer Ihnen sagt, der Kurs werde nächsten Monat sicher steigen oder fallen, weiß es nicht besser als Sie. Was sich sagen lässt, ist nur der heutige Stand und der Verlauf der Vergangenheit. Aus beidem folgt keine Zukunft, aber eine Einordnung.
Was für Privatverkäufer wirklich zählt
Wer Schmuck aus dem Nachlass, alte Münzen oder ungetragene Ketten verkauft, ist kein Händler, der auf den Kurs wettet. Die Entscheidung hängt an vier Fragen, die nichts mit Prognosen zu tun haben. Erstens: Brauchen Sie das Geld, oder möchten Sie es für etwas Bestimmtes einsetzen? Dann ist der Zeitpunkt jetzt, und der Kurs ist, wie er ist. Zweitens: Wollen Sie die Stücke behalten? Erinnerungsstücke, die getragen werden, verkauft man nicht wegen eines Kurses.
Drittens: Wie groß ist der Anteil des Goldes an dem, was Sie besitzen? Wer nur ein paar Ringe hat, trifft keine Vermögensentscheidung. Wer Barren und Münzen als Teil seiner Ersparnisse hält, sollte Gold als einen Baustein unter mehreren sehen und nicht alles auf einmal verkaufen oder behalten. Viertens: Wie steht der Kurs im Vergleich zu den letzten Jahren? Sehen Sie sich den Verlauf über mehrere Jahre an, nicht nur über Wochen. Liegt der heutige Stand im oberen Bereich dessen, was Sie dort sehen, verkaufen Sie zu einem historisch hohen Preis; liegt er im unteren, zu einem niedrigen. Mehr lässt sich aus einer Kurve nicht ablesen, und auch ein hoher Stand kann weiter steigen, ein niedriger weiter fallen.
| Frage | Wenn ja | Wenn nein |
|---|---|---|
| Brauche ich das Geld? | Verkaufen, der Kurs ist zweitrangig | Weiter zur nächsten Frage |
| Will ich die Stücke behalten? | Behalten, kein Verkauf wegen des Kurses | Weiter zur nächsten Frage |
| Ist Gold ein großer Teil meiner Ersparnisse? | In Teilen entscheiden, nicht alles auf einmal | Ganz verkaufen ist eine einfache Entscheidung |
| Liegt der Kurs im Mehrjahresvergleich hoch? | Historisch guter Preis, keine Garantie | Historisch niedriger Preis, keine Garantie |
Teilverkauf: Nicht alles auf einmal
Wer unsicher ist, muss nicht wählen zwischen alles und nichts. Ein Teilverkauf verteilt die Entscheidung über mehrere Zeitpunkte: Sie verkaufen heute einen Teil zum heutigen Kurs und den Rest später zum dann gültigen. Steigt der Kurs, profitieren Sie mit dem Rest; fällt er, haben Sie einen Teil zum besseren Preis verkauft. Den perfekten Zeitpunkt treffen Sie so nicht, den schlechtesten aber auch nicht.
Praktisch ist das bei Münzen und Barren, weil sie sich stückweise verkaufen lassen; bei Schmuck geht es Stück für Stück. Eine Mindestmenge gibt es bei uns nicht, auch eine einzelne Münze wird angekauft. Was bei Münzen und Barren im Einzelnen zählt, steht unter Goldmünzen verkaufen und Goldbarren verkaufen.
Der Zeitpunkt am Tag: Kurs mit Uhrzeit
Hat man sich entschieden, bleibt die Frage nach dem Stand am Tag des Verkaufs. Der Kurs bewegt sich auch innerhalb eines Tages. Unser Server fragt die Kurse spätestens alle fünf Minuten neu ab; die Preisbox auf der Seite Ankaufspreise zeigt den Stand mit Datum und Uhrzeit, und derselbe Stand steht auf dem Bildschirm im Laden. Verbindlich ist der Kurs zum Zeitpunkt der Prüfung, nicht der vom Vortag und nicht der vom Nachmittag, wenn Sie am Vormittag da waren.
Ein Ankauf dauert je nach Menge zehn bis dreißig Minuten. Wir sind montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10–17 Uhr und mittwochs von 10–14 Uhr am Hansaring 7, ohne Termin; bei größeren Mengen oder Nachlässen empfiehlt sich ein Termin oder der Hausbesuch. Wer den Kurs vor dem Besuch prüfen will, schaut kurz vorher auf die Preisseite, mehr Vorbereitung braucht der Zeitpunkt am Tag nicht.
Steuern: Die Haltefrist
Beim Zeitpunkt spielt auch die Steuer eine Rolle, allerdings nur für wenige. Für Privatpersonen ist der Verkauf von Gold nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr in der Regel einkommensteuerfrei; bei Erbstücken zählt die Haltedauer des Erblassers mit. Wer Anlagegold vor weniger als einem Jahr gekauft hat, sollte vor dem Verkauf einen Blick in die Regeln zu privaten Veräußerungsgeschäften werfen oder seinen Steuerberater fragen.
Wir geben keine Steuerberatung; die Kurzfassung steht auch in unseren häufigen Fragen. Für Schmuck aus dem Nachlass, alte Münzen und Zahngold, die seit Jahren im Besitz sind, ist die Haltefrist in aller Regel längst erfüllt.
Drei Fälle aus dem Laden
Was dieser Beitrag nicht ist
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Steuerberatung. Wir kaufen Gold an; ob Sie Gold kaufen, halten oder verkaufen sollten, ist Ihre Entscheidung, gegebenenfalls mit einem unabhängigen Berater. Wir nennen keine Kursziele und keine Zeitpunkte, und wir sagen Ihnen auch am Tresen nicht, dass Sie heute verkaufen müssen.
Was wir Ihnen sagen können: den Kurs mit Uhrzeit, den Ankaufspreis je Gramm Ihrer Legierung, das Nettogewicht Ihrer Stücke und den Betrag, der sich daraus ergibt. Wer vergleichen oder nachdenken will, nimmt alles unverändert wieder mit, woran Sie einen Ankauf erkennen, der das zulässt, steht im Ratgeber Woran Sie einen seriösen Goldankauf erkennen.



