
Was der Börsenkurs eigentlich misst
Der Kurs in den Nachrichten ist der Preis für eine Feinunze reines Gold, gehandelt zwischen Banken und Großhändlern. Die Ware ist dort standardisiert: Barren mit bekanntem Gewicht und Feingehalt, die in anerkannten Tresoren lagern und oft nur den Besitzer wechseln. Niemand muss sie prüfen, schmelzen oder trennen.
Ein Ring aus 585er Gold ist etwas anderes. Er enthält 58,5 Prozent Gold, dazu Silber, Kupfer und oft Zink oder Palladium, manchmal Lot, Steine oder eine Stahlfeder. Bevor daraus handelbares Feingold wird, ist ein ganzer Weg zu gehen. Hinzu kommt, dass der Börsenkurs ein Großhandelspreis für Mengen von vielen Kilogramm ist, nicht für einzelne Ringe und Ketten.
Was zwischen Ihrem Schmuck und dem Börsenkurs liegt
Jeder Schritt auf dem Weg zum Feingold kostet Zeit oder Geld. Diese Posten fallen bei jedem Ankäufer an, unabhängig davon, wie er sie ausweist:
- Prüfung und Sortierung nach Legierung, mit geeichter Waage und Prüfgeräten
- Sammeln, versicherter Transport und Lagerung bis zur Abgabe
- Schmelzen, Analyse und Scheidung in der Scheideanstalt, inklusive Metallverlust
- Kursrisiko Der Goldpreis kann zwischen Ankauf und Abrechnung fallen
- Laden, Personal, Sicherheit und Dokumentation
Der Weg einer Kette in vier Schritten
Ein Beispiel: Sie verkaufen eine 585er Kette mit 10 Gramm. Wir prüfen und wiegen sie, zahlen Ihnen den Betrag sofort aus und tragen damit ab diesem Moment das Kursrisiko. Die Kette wird mit anderem 585er Material gesammelt und geht versichert an eine Scheideanstalt. Dort wird sie eingeschmolzen, analysiert und vom Kupfer und Silber getrennt. Erst danach steht fest, wie viel Feingold tatsächlich herauskam, und erst dann wird mit der Scheideanstalt abgerechnet, abzüglich ihrer Gebühren.
Auf diesem Weg trägt der Ankäufer Kosten, die er beim Kauf schon kennt, und ein Risiko, das er nicht kennt: den Kurs am Tag der Abrechnung. Die Tabelle zeigt, was wir heute für 10 Gramm je Legierung zahlen. Die Preise enthalten bereits Feingehalt und unseren Ankaufsanteil.
| Legierung | Unser Preis je Gramm | Beispiel 10 g |
|---|---|---|
| 999 | 113,78 €/g | 1.138 € |
| 750 | 83,24 €/g | 832 € |
| 585 | 64,93 €/g | 649 € |
| 333 | 36,96 €/g | 370 € |
Wie wir den Preis bilden
Wir rechnen offen: Feingoldkurs in Euro je Gramm mal Feingehalt, davon zahlen wir einen festen Anteil je Metall aus, unseren Ankaufsanteil. Er ist für alle Kunden gleich und steckt bereits in den Grammpreisen auf der Seite Ankaufspreise. Der Preis ergibt sich bei uns aus dieser Formel und wird nicht verhandelt.
Für Sie hat das einen praktischen Vorteil: Sie können jede Position Ihrer Abrechnung mit Gewicht, Legierung und dem angezeigten Grammpreis selbst nachrechnen. Wie man den Wert des eigenen Goldes Schritt für Schritt nachrechnet, beschreibt der Ratgeber Wie viel ist mein Gold wert?.
Typische Irrtümer beim Vergleichen
Ein häufiger Irrtum: Wer „nah am Börsenkurs“ wirbt, zahle am meisten. Entscheidend ist, welcher Preis je Gramm einer bestimmten Legierung am Ende auf der Abrechnung steht und ob Gewichte, Abzüge oder Gebühren das Ergebnis verändern. Ein zweiter Irrtum: Ein Feingoldpreis sei mit einem Preis für 585er Schmuck vergleichbar. Er ist es nur, wenn man ihn mit dem Feingehalt multipliziert.
Ein dritter Irrtum betrifft Silber. Dort ist der Abstand zum Kurs größer als bei Gold, weil Silber je Gramm viel weniger wert ist, die Arbeit für Prüfung, Transport und Scheidung aber ähnlich anfällt.